Mittwoch, 28. September 2011

Oktoberfest im ICE

Vor ein paar Tagen hatte ich einen Termin in München und wie sich's für einen Bahnblogger gehört, kaufte ich mir natürlich ein Zugticket. Als ich ahnungslos den Ulmer Hauptbahnhof betrat und all die fröhlichen Menschen in ihren Trachten sah, da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Oktoberfest! Heissa! Party! Ausnahmezustand! Mit einem unguten Gefühl bestieg ich den ICE nach München. Und was für ein Glück, meine Sitzplatzreservierung war in einem Oktoberfestfreien Waggon, na also!

Auf halber Strecke war's dann aber soweit, ich musste auf's Klo und dazu stand die Durchquerung eines Oktoberfestwaggons an. Schon als sich die automatische Schiebetür öffnete, schlug mir ein Bierdunst entgegen, der mir fast den Atem raubte. Ohrenbetäubendes Gelächter und hysterisches Kreischen hämmerte gegen mein Trommelfell. Im Gang standen lauter lustige Menschen.

Angewidert bahnte ich mir meinen Weg durch das Inferno, als mich plötzlich eine Stimme von hinten anbellte: "DU !!!" Ich drehte mich um und blickte in eine grässliche rote Fratze mit glasigen Augen. "Moch net so a ernschdes Gsicht !!!" Ich lächelte gequält in der Hoffnung, er möge mir seinen Todesatem nicht ins Gesicht hauchen, drehte mich um und kämpfte mich weiter voran, wohl wissend dass ich den ganzen Weg wieder zurück musste.

Endlich angekommen stellte ich fest, dass beide Toiletten besetzt waren. Endlich öffnete sich eine Tür. Erwartungsvoll machte ich mich bereit und heraus kam, o Graus, kein Mensch, sondern eine riesige Wolke Zigarettenqualm. Hustend flüchtete ich in den nächsten, na was denn? ... Oktoberfestwaggon!!! Kurzzeitig überlegte ich mir, die Notbremse zu ziehen, besann mich aber eines Besseren und wagte erneut einen Versuch, die andere hoffentlich rauchfreie Toillette zu ergattern Ich hatte Glück und zog mich in diese Oase der Ruhe zurück, wo ich am liebsten die restliche Fahrt nach München verbracht hätte.



Dienstag, 23. August 2011

Sommerhitze und olfaktorische Erlebnisse beim Bahnfahren

Überall dort, wo sich Menschen in geschlossenen Räumen versammeln, fängt es früher oder später an, nach Mensch zu riechen. So weit, so gut. Nun gibt es verschärfte Situationen beim Bahnfahren, in denen die Gerüche intensiver werden:

  1. Hitze
    An heißen Sommertagen, wie wir sie derzeit erleben, neigen Menschen dazu, zu transpirieren. Die Folge ist ein strenger Geruch nach Buttersäure. Ganz besonders intensiv erlebt man in diesen Tagen diesen Geruch in Regionalbahn-Waggons ohne Klimaanlage, die schon vor dem Einsteigen an den gekippten Fenstern zu erkennen sind. Klaglos sitzen dort bedauernswerte Geschöpfe mit roten Köpfen und durchnässten Achselhöhlen, nicht wissend, dass nur ein Waggon weiter das gekühlte Paradies wartet.
     
  2. Döner und sonstiges Fast Food
    Menschen lieben es, während der Bahnfahrt Döner oder Hamburger zu essen. Wenn diese Nahrungsmittel ausgepackt werden, verbreitet sich ein sehr exotischer Geruch nach totem Tier, feucht gewordener Pappe und allerlei hochwertiger Gewürzbeimischungen. Steigt man in einen Zug der Deutschen Bahn, liegen auf ungefähr 80% der Sitze Essensreste, oft nur Krümel, oft aber auch Käse-, Fleisch-, Wurst-, Mayo- oder Ketchup-Reste oder eine Kombination aus allem. Wer sich schon mal auf ein lummeliges Gurkenscheibchen mit Ketchupresten gesetzt hat, das dem vorherigen Fahrgast aus einem McDonald's Hamburger auf den Sitz gefallen ist, der unterschreibt gerne meine Petition, an der ich grade arbeite: "Für ein Essverbot in deutschen Zügen".

  3. Bier und Spirituosen
    Diese lustigen Junggesellen-Abschiede und sonstigen Männerausflüge, die mit der Bahn unternommen werden, sorgen vor allem morgens vor 9:00 Uhr für eine Geruchsbelästigung der besonderen Art. Die männlichen Ausflügler neigen in der Regel zu übermäßigem Alkoholkonsum, um am Zielort schon richtig gut drauf zu sein. "Vorglühen" nennt man das in der Fachsprache. Die schlimme Folge für alle anderen Fahrgäste: Der Waggon stinkt wie eine Bierkneipe, die seit 3 Monaten nicht mehr gelüftet wurde. Und wer kennt nicht die umher rollenden halb leeren Bierflaschen, die durch Kurvenfahrt, Beschleunigen und Abbremsen ihren Weg durch den ganzen Waggon finden und dabei eine duftende, klebrige Bierspur zurücklassen. Eine Petition "Für ein Trinkverbot in deutschen Zügen" könnte hier Abhilfe schaffen.

  4. Matjesbrötchen
    Der Höhepunkt im Leben eines jeden Bahnfahrers ist eine Fahrt in einem geschlossenen Sechser-Abteil, in dem ein anderer Fahrgast plötzlich sein Matjesbrötchen auspackt und genüsslich verspeist. Dieser unnachahmliche Geruch von Fisch und Zwiebeln macht jedem zivilisierten Geruchsorgan den Garaus. Gerne unterschreibe ich auch für diesen Fall die Petition "Für ein Essverbot in deutschen Zügen".

Bildquelle: Maren Beßler, www.pixelio.de


Montag, 8. August 2011

Weibliche Reisende und ihre Maskottchen

Ob sich Bären auch kleine dicke Frauen an den Rucksack hängen? (Twitter-User @onrie)

Als regelmäßiger Bahnfahrer beobachte ich seit Jahren den Hang vieler Menschen, Maskottchen mit auf die Reise zu nehmen. Was früher die Christophorus-Medaille auf dem Armaturenbrett war, ist heute offenbar das Stofftier am Rucksack oder Koffer der meist weiblichen Reisenden.

Die Motivation, sich ein Maskottchen ans Gepäck zu hängen, geht vermutlich von "Schutz vor Zugentgleisungen" bis hin zu "Trost bei Heimweh". Meine Beobachtungen konzentrieren sich aber auf die Besitzer dieser Maskottchen:

  1. Die Mitzwanzigerin
    Aussehen: pummelig, nicht besonders hübsch
    Begleitung: zwei bis drei kreischende, hübsche, schlanke Freundinnen
    Besonderheiten: ein buntes Strähnchen im Haar und ein Piercing im Gesicht
    Gepäck: Rucksack, Wasserflasche in Außentasche
    Maskottchen: Stoff-Bärchen

  2. Die Mitdreißigerin
    Aussehen: pummelig, nicht besonders hübsch
    Begleitung: ein oder mehrere pummelige Kinder
    Besonderheiten: Dreiviertel-Hose, "cooles" Tatoo am Bein
    Gepäck: Rucksack und großer Koffer
    Maskottchen: Stoff-Bärchen oder Stoff-Häschen

  3. Die Mitvierzigerin
    Aussehen: pummelig, die Schwerkraft hat im Brust- und Pobereich bereits deutliche Spuren hinterlassen
    Begleitung: allein reisend
    Besonderheiten: sehr, sehr enge Stretch-Jeans
    Gepäck: Samsonite-Schalenkoffer mit zwei Rädern, der beim Ziehen zur Seite kippt
    Maskottchen: Stoff-Bärchen (Braunbär oder Panda)

  4. Der Mitdreißiger
    Aussehen: langweilig, unsportlich
    Begleitung: Frau/Freundin, die auch ein Maskottchen am Gepäck hat
    Besonderheiten: Dreiviertel-Hose, Ohrstecker
    Gepäck: Deuter-Rucksack
    Maskottchen: Stoff-Bärchen oder Stoff-Goleo

Und was denken Mitreisende über mich, wenn ich mein Häkelschwein hervorhole und vor mir auf den Tisch stelle?

Montag, 11. Juli 2011

ICKE UND IHR NICH!

Im Schwaben-Express von Ulm nach Stuttgart wird, wie der Name schon sagt, üblicherweise schwäbisch oder türkisch gesprochen. Normalerweise betritt der Schaffner den Waggon des Schwaben-Expresses mit folgenden Worten: "Grüß Gott, Fahrkardakondrolle!" Und dann während der Kontrolle: "Ihr Bahnkard bidde!"

Neuerdings schmettert eine resolute Dame mittleren Alters: "Tach! Die Fahrscheine bitte!" Beim Kontrollieren des Fahrscheins: "Ick würd mal järn Ihre Bahncard sehn wolln!"

Hmmm! "Ick würd mal järn Ihre Bahncard sehn wolln"
Die schwäbischen Schaffner haben das nach einer Woche drauf, erkennen mich als Stammfahrgast und wissen, dass ich eine Bahncard habe. Nicht so die Berlinerin, die jeden Morgen exakt dieselbe Ansage macht: "Ick würd mal järn Ihre Bahncard sehn wolln"

Heute ging ich auf's Ganze. Ich antwortete: "I hon mei Bahncard vrgässa!"
Kurzes Schweigen, dann: "Dit is nich jut. Da muss ick Ihnen den vollen Fahrpreis berechnen ..." Sie hat mich verstanden! Sie hat bestimmt einen Schäbisch-Kurs absolviert, bevor sie als Schaffnerin zum Schwaben-Express zugelassen wurde.

Völkerverständigung ist halt was Schönes!

Montag, 4. Juli 2011

Gefahren in der Zugtoilette

Ich fahre zwar täglich Bahn, aber mit einer Sache kann und möchte ich mich nicht anfreunden: Der Gang zur Zugtoilette. Ich habe mich ja schon weitestgehend diszipliniert und gehe vor jeder Zugfahrt noch auf's Klo, aber dennoch ist kürzlich wieder der Worst Case eingetreten:

Mit einer aufkeimenden Übelkeit ob des anstehenden Ereignisses hab ich mich auf den Weg gemacht und die Zugtoilette des Interegio Expresses aufgesucht. Wie üblich trat ich sofort in eine Pfütze aus halb getrocknetem Urin. Zu meinem Glück musste ich nur pinkeln und so hab ich den Klodeckel hochgehoben, an die Wand gelehnt  und fing an, mein Geschäft stehend zu verrichten (man möge es mir nachsehen, dass ich mich, wenn's nicht unbedingt sein muss, nicht auf diese Toilette setze). Plötzlich bremste der Zug ruckartig und der mit Pest und Cholera verseuchte Klodeckel sauste mit hohem Tempo meinem Gemächt entgegen. Mit einem beherzten Sprung nach hinten, konnte ich Schlimmeres verhindern. Der Schmerz in den Lendenwirbeln, als ich beim Rückwärtssprung gegen das Waschbecken donnerte, wurde von der Erleichterung überlagert, mein Allerheiligstes gerettet zu haben.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Groupon: Rabattmarken jetzt auch im deutschen Internet

Ich erinnere mich noch gut, als man im Tante-Emma-Laden bei jedem Kauf das Rabattmarkenheft auf den Ladentisch legte. Die betagte Tante Emma, die bei uns im Dorf Luise hieß, hat mit zittrigen Fingern als Belohnung für den Einkauf ein paar Rabattmärkchen eingeklebt, für die man dann irgendwann die Packung Ariel ein paar Mark billiger gekriegt hat.

Nun ist es ja so, dass im Internet grade alles neu erfunden wird: Der Bahn-Blogger hat den One-Click-Button erfunden, die Deutsche Bahn und die Telekom haben den Kundenservice auf Twitter entdeckt und Henkel fragt seine Facebook-Fans, ob das Pril mit Hähnchen-Aroma eine gute Idee ist.

Aber jetzt kommt die absolute Revolution von Amerika nach Deutschland:
Digitale Rabattmarken im Internet, wow! Hab mich gestern abend gleich bei Groupon angemeldet und siehe da, heute morgen kam schon die erste elektronische Rabattmarke, per E-Mail. Sie heißt jetzt nicht mehr Rabattmarke, sondern Top-Deal und es ist so einfach. Ein Mausklick genügt und ich kann meine Botoxbehandlung gleich für ein Drittel des Preises abholen. Und ganz sicher werde ich auch zur nächsten Botoxbehandlung wieder dorthin gehen und den dreifachen Preis bezahlen, selbstredend.

Bildquelle Rabattmarkenheft: http://www.shopanshop-berlin.de

Mittwoch, 1. Juni 2011

Frauenparkplatz

Dass Frauen Auto fahren können, ist unstrittig und ich hatte das ja bereits hier im Blog thematisiert (Bahn-Blogger: Frau am Steuer). Diese Fertigkeit macht sich jetzt die Stadt München zunutze. Da die Parkplatznot dort sehr groß ist, hat man zusätzliche Parkflächen erschlossen ohne neue Parkhäuser oder Tiefgaragen zu bauen. Das geht aber nur, weil Frauen so clever sind, dass sie beim Einparken die Schwerkraft überwinden können. Ein bisschen neidisch macht mich das schon: