Dienstag, 7. Dezember 2010

Ist ein Arzt im Zug?

Was ich bisher nur aus Erzählungen kannte, durfte ich jetzt selbst erleben. Kaum hatten wir heute früh Ulm mit 10-minütiger Verspätung (witterungsbedingt) verlassen, räusperte sich die Schaffnerin über die Sprechanlage "Ist ein Arzt im Zug? Kommen Sie bitte in den Wagen 1." Mich erinnert das immer an die Kaufhausdurchsagen: "Die 18 bitte, an 56" Also nicht inhaltlich, sondern wegen der nasalen Stimmlage. Hektische Schritte über mir wurden laut - ich sitze im Doppeldeckerwaggon immer unten (aber nur morgens; abends bei der Heimfahrt bin ich lieber im oberen Abteil). Dann wieder Stille.

Mit einem Knacksen im Lautsprecher machte sich die Schaffnerin erneut bemerkbar und verkündete die Hiobsbotschaft: "Wegen eines Notarzteinsatzes im Zug wird sich unsere Weiterfahrt in Geislingen um circa 15 Minuten verzögern." Dazu muss man wissen, dass die Bahn, wenn es denn mal eine Verspätung gibt, zur Untertreibung neigt. So können aus 15 Minuten locker 25 werden. Aber sie wollen einfach nicht raus mit der Wahrheit. Als Fahrgast freut man sich doch, wenn die Verspätung dann doch nicht so groß ist wie angekündigt und ärgert sich, wenn’s länger dauert. Aber lieber wird ein paar mal nachgebessert und die Verspätung häppchenweise ausgeweitet, bis auch der letzte Fahrgast sauer gefahren ist. Für's Bahn-Image nicht gerade zuträglich.

Kurz vor Geislingen meldete sich auch noch der Lokführer: "Zugführer bitte melden (das ist im Bahnjargon der Oberschaffner). Dr Notarzt in Geislingen möcht wissa, in welchem Waga dr Patient isch. Am beschda direkt in Geislingen Bescheid geba - wenn net, dann isch's au egal."

HALLO! In Wagen 1 ist der Patient! Ist der Geräuschpegel in der Führerkabine so groß, dass man die Durchsagen des Schaffners nicht hört oder ist zugintern gar keine 2-Wege-Kommunikation mit dem Lokführer möglich?


Am Ende hat dann wohl alles geklappt, denn statt der 15 Minuten Verspätung fuhr der Zug schon nach 10 Minuten weiter. Aber Hauptsache mal wieder über die Bahn gemeckert.


Bildquelle: Andreas Morlok / pixelio.de http://www.pixelio.de/

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